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Geschichte unserer Pfarrkirchen

Eine Pfarrkirche müssen die Langensteinbacher schon in ganz früher Zeit gehabt haben, denn es wird überliefert, dass sie dem Schutzheiligen der Franken, dem Erzengel Michael geweiht war. Michaelskirchen sind neben Martinskirchen die ältesten in unserem Gebiet und gehen auf die Landnahme der Franken zurück, als die Römer das Zehntland aufgaben und verließen. Diese Pfarrkirche muss lange vor und noch gleichzeitig neben einem zweiten Kirchengebäude, der St. Barbara-Kapelle, bestanden haben. Ob sie im Ober-, Mitteldorf nahe dem Amtshaus, der Zehntscheuer mit Nebengebäuden gestanden hat, wissen wir nicht sicher. Aber die Nachfolgekirche, Nikolaus geweiht, stand ungefähr am heutigen Platz mit seitlichem Turm im Osten, innerhalb eines Kirchhofes von einer Mauer umgeben. Diese Kirche, so erfahren wir aus einer Notiz von 1560, an anderer Stelle 1516, dass sie dem heiligen Nikolaus geweiht gewesen war.

Im 17. Jh. war unser Gotteshaus so baufällig geworden, dass es 1688 abgetragen und neu aufgeführt werden musste. Auch dieser Bau war überwiegend aus Holz errichtet, und sein Standort an der Stelle, wo der Bocksbach vorbei floss und noch von einem kleinen Graben (aus der Striet der Ettlingerstraße entlangkommend) Zufluss bekam. Unsere Kirchen standen also auf nassem Untergrund, das Holz saugte die Nässe auf und begann zu faulen. Der Bau von 1688 hielt nicht lange stand. Auch wurde er vermutlich zu klein für die Gottesdienste, an denen inzwischen mit der Dorfgemeinde auch Kur- und Badegäste des Fürstenbades teilnahmen. Jedenfalls musste der Turm 1726 gegen Einsturz gesichert werden.

Aus einem Kirchenbuch des Specialats Pforzheim, Toraus XXXVI, colligirt anno 1742 von Johann Jacob Wechsler, Specialsuperintendent erfahren wir zur Kirche:

"Zu St. Nikolaus genannt, wird gebauet und im Bau erhalten, teils von der Gemeinde Langensteinbach, teils auch von den Deutschen Ordensherren von Mergenthal (Mergentheim), als welcher allhier einen ansehnlichen Zehnten zu beziehen, und Leid dieser an den Baukosten ein Drittel, die Gemeinde aber zwei Drittel. Oben an der Sakristei steht der Deutschherrische Ordenswappen, mit einem Kreuz, und dabei die Jahrzahl 1409 (muss 1489 heißen). Da die Kirche vielleicht erbaut worden sein, renoviert ward sie ao. 1727. Die jährliche Kirchweih hält auf Simonis und Juda (um den 28. Oktober)."

Die hier festgestellte Renovierung betrieb der damalige Pfarrer Christoph Peter Eisenlohr, der 1725 aufzog und, wenn die Angaben stimmen, erst 1746 wieder ging. Innerhalb seiner Amtszeit "haben Serenissimus anno 1726 das schoene Bad erbaut". Über Eisenlohr gäbe es an geeigneter Stelle noch einiges zu berichten; hier scheint interessant, dass er beim Markgrafen wohl angesehen war, bei dessen Badegästen ebenfalls, und es geschickt verstand, deren Ansehen zu heben, indem er ihnen so manchen Gulden als Liebesgabe zu den Renovierungskosten entlocken konnte.

Zu seiner Zeit hatte die Kirche auch eine Orgel von sechs Registern, die "größten Theils von wohlthaetigen Bad-Gaesten und freywilliger Beysteuer derer Zuhoerer angeschafft worden".

Lang haben die Renovierungen und Reparaturen nicht gehalten. Auch hat die Nikolauskirche ins aufstrebende Fürstenbad nicht mehr so recht passen wollen. Da brannte in der Amtszeit von Pfarrer Grün 1769 das Pfarrhaus ab, und dieses - 1774 nach Plänen des fürstlichen Bauinspektors W. J. Müller - wieder aufzubauen hatte Vorrang.

Für das vielbesuchte Fürstenbad kam die neue Kirche zu spät. Baden-Baden hatte Langensteinbach den Rang abgelaufen. Auch Friedrich Weinbrenner, der die neue Kirche im Stil der Zeit - wie die Badeanlagen und Wandelhalle - auch geplant haben soll, war 1826 im 60. Lebensjahr verstorben. Dennoch wurde das alte Gotteshaus innerhalb von zwei Jahren abgebrochen und vom Bruchsaler Baumeister Karl August Schwartz neu erbaut. Am 10. April 1828 wird der Bau feierlich eingeweiht - Akte über den detaillierten Festplan liegt vor - und zu Ehren des Großherzogs Ludwig, der am selben Tag seinen 65. Geburtstag feierte, Ludwigskirche genannt.